You are here: Home >> Articles & Tutorials >> Entwarnung am Rhein, die Art Cologne ist wieder auf dem Weg nach oben.

Entwarnung am Rhein, die Art Cologne ist wieder auf dem Weg nach oben.

By aaren browns on Apr 28, 2011 |Art & Entertainment

Was this helpful? 0 0 Comments



Entwarnung am Rhein, die Art Cologne ist wieder auf dem Weg nach oben. Es liegt in der Natur eines verheißungsvollen Auftakts, dass sich die gute Stimmung auch auf den Vernissageabend überträgt. Das Kölner Galeriengetriebe zeigte sich gut geölt, der Tross aus rheinischen und internationalen Sammlern, Neugierigen und Kauflustigen war beachtlich. In der Neven-duMont-Straße drängten sich die VIP-Karossen beim Platzhirsch Kewenig, und mitunter entstieg ihnen der nimmermüde Messechef Daniel Hug persönlich, um einen Sammler zur Schau von Jannis Kounellis zu begleiten. Der in Rom lebende Grieche feierte im März seinen 75. Geburtstag. Grund genug für die Galerie, neueste Werke des Grandseigneurs der italienischen Arte Povera zu präsentieren. Offenbar sind es schwarze Abdrücke von zerstückelten Mänteln und Jacken, die ihn gerade umtreiben. Die individuelle Herkunft der Alltagsgegenstände geht in den abstrakten Mustern verloren, der Mensch verschwindet mit seiner Anatomie in den diszipliniert aufgetragenen Spurenschichten. Seit einem Jahr befestigt Kounellis die Einzelteile auf großformatigen, mit weißer Leinwand bespannten Metallplatten. Als wolle er einer weiteren Atomisierung vorbeugen, sind einige der Kompositionen von einer zu groß geratenen schwarzen Schleife umrundet. Fünf von ihnen finden sich im Hauptraum strategisch gehängt in Sichtachse des Eingangs. Die neue titellose Serie wird noch dieses Jahr auch im Museum Kurhaus Kleve zu sehen sein.

Nebenan bei Daniel Buchholz gab sich das Publikum international. Dank der vielen Besucher aus Übersee wehte ein Flair von New York durch den Hinterhof. Beim ortsüblichen Kölsch trotzte man in den schneeweißen Räumen der Kontinentalverschiebung und übte sich in den neuesten theoriegefestigten Standpunkten. Inspiration lieferte die 1961 geborene R.H. Quaytman: Die New Yorkerin knüpft in ihrer ortsspezifischen Schau an das zur Straße hin angeschlossene Antiquariat an. Ihr imaginäres, auf Leinwänden reichlich illustriertes Bucharchiv bevölkern grafisch anmutende Porträts von Judith und Holofernes oder weiße Irrgartenmuster auf schwarzem Hintergrund, die zur Suche nach mythischen Figuren einladen. Die Bildtafeln entfalten in ihrer zeitentrückten Schönheit fast dekorative Eigenschaften. Gelegentlich multiplizieren sie die Erzählung, wenn etwa der Streit um ein Windlicht zwischen zwei barocken Gestalten durch eine glitzernde Farbgebung ins Märchenhafte entgleist.

Wenige Straßenzüge weiter arbeitet sich Laura Owens bei Gisela Capitain ohne Umschweife an einer kindlich stimulierenden Schwerelosigkeit ab. Das Etikett „girlie art“ passt angesichts ihres Alters von inzwischen 40 Jahren eigentlich nicht mehr. Ihren naiven Gegenwelten bleibt sie allerdings weiterhin treu. Dem abgesteckten Terrain einer domestizierten Abstraktion begegnet ihre aus dem Impuls kommende Malerei mit erfrischender Nonchalance. Erlaubt ist alles, was Schwung und Wucht verheißt, inklusive tabuloses Mischen von Stilen und Techniken. Für die auf drei Räume verteilte Schau hat die US-Amerikanerin mit Wohnsitz in Los Angeles zwar auf die sonst üblichen figurativen Fabeltiere verzichtet, dafür aber das Tempo ihrer abstrakten Seite deutlich beschleunigt. Im größten Raum hängen jeweils 14 Quadrate zur Decke hin in Gruppenreihen. Die Wirkung stellt sich erst allmählich ein. Sich abstoßende Wechsel sorgen für Kopfschütteln und zugleich entwickeln sie eine egalitäre Dynamik, die schlicht mitreißt. Konstruktivistische Elemente finden sich neben simplen Handabdrücken, die im nächsten Moment entlang von eingestochenen Fäden in wild tänzelnde Pinselstriche übergehen. Immer wieder tauchen Uhrzeiger auf, ohne dass erkennbar wäre, welche Geschichten sie erzählen. Entwaffnend auch die von der Hand liebevoll geklebten und vor geheimnisvollen Zeichen sprudelnden Bücherattrappen, die wie alle anderen Werke, im Nebenraum auf drei Tischen verteilt, keine Titel tragen. Mit Logik und Interpretation kommt man dieser sich charmant jeder Bedeutung entziehenden Kunst nicht weiter.

Auch die Fotografie ist vertreten: Thomas Zander zeigt unter dem Ausstellungstitel „CARS“ die Serie „America by Car“ von Lee Friedlander. Noch im Herbst gastierte diese im New Yorker Whitney Museum of American Art. Sie umfasst 190 schwarz-weiße Reisedokumente, aufgenommen mit einer Leica überwiegend vom Fahrersitz aus zwischen 1996 und 2009. Der Meister der „Street Photography“, 1934 in Aberdeen geboren und neben Diane Arbus und Garry Winogrand der Hauptvertreter einer unbarmherzigen Alltagsfotografie, präsentiert sich neben der Großstadtstraße auch als Kenner des Highway. Auf seinem rastlosen Trip durch die Weiten Amerikas fixiert er mit Vorliebe Verkehrszeichen, die ins Nirgendwo führen, Schaufenster, Pin-up-Plakate und immer wieder die Haltegriffe seines Leihwagens. Dann gerät auch die Windschutzscheibe als abdichtende Membran unweigerlich ins Bild und gibt Auskünfte über ein ungemütliches Draußen, das von einsamen Cowboys und anderen gestrandeten Gestalten bevölkert ist.

Bitte lesen Sie hier weiter: Kunst weltweit führenden Online-Magazin und Dekorative Kunst Online auch Quadrate im Sturzflug

Was this helpful? 0 0 Comments

Do you enjoy this post? Help us better!

You're reading Entwarnung am Rhein, die Art Cologne ist wieder auf dem Weg nach oben..

Comments

Hot Topics People Are Chatting

My Questions & Articles

Find latest questions, answers and articles.

Questions I Ask

Questions I Follow

Articles I Share

Do you like it? Share with friends!

Don't forget to follow us!

If you like our tutorials and answers, please give us a +1!